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Die andere Seite des Lebens

Nach ein paar Tagen lief ich ein Stueck und trampte dann weiter in Richtung Berge. Ein Comiczeichner nahm mich mit, der mich zu sich zum Uebernachten einlud. Er erzaehlte mir beim Abendessen:

„Ich arbeite nachts und esse nur einmal am Tag und zwar abends“.

Ich hatte den Eindruck, das waere eine Botschaft fuer mich, es ihm gleich zu tun und so ass ich fortan wie die Moslems an Ramadan ebenfalls nur noch abends. Am naechsten Tag fuhr er mich dahin wo ich urspruenglich hintrampten wollte. Vor der Kirche hatten sich drei Menschen ohne Zuhause versammelt. Einen davon kannte ich schon von vor einer Woche, als ich hier vorbeigekommen war. Er hiess Philipp. Dann war da noch ein junger Zeitgenosse, der einen autarken Platz in den Bergen aufbauen wollte.

„Ich habe allerdings nur die Koordinaten vom GPS, aber selbst kein GPS. Also weiss ich nicht, wo es ist. Ich muss erstmal eine e-mail abwarten. “

Der Dritte im Bunde war ein Spanier, der vor ein paar Tagen angekommen war. Philipp wollte erstmal einen Sandwich essen gehen und wir gingen alle mit. Derweil stiess Roman zu uns, ein wirklich magerer Franzose ueber sechzig, den ich vorher schon gesehen hatte. Von ihm erfuhr ich spaeter, dass er fast alle Jakobswege kannte, weil er sie schon gegangen war. Vor Kurzem war er von seinem Pilgerweg aus Rom zurueckgekehrt.

Am naechsten Tag lief ich ein Stueck bis ueber die spanische Grenze. Dort sprach mich auf der Strasse ein Mann an: „Ich habe dich letzt woanders schonmal gesehen.“

„Das kann sein. Ich bin heute erst hierher gekommen.“

Ein Freund von ihm kam hinzu und lud mich ein, mit zu ihm zu kommen.

„Wenn du willst, kannst du auch hier uebernachten,“ lud er mich ein.

„Ja gerne, danke.“

Juan, der mich angesprochen hatte, fragte, ob ich Kinder habe. Ich verneinte.

„Und du?“

„Ich habe eine Tochter. Zusammen mit einer Marokkanerin, mit der ich nur ganz kurz zusammen war. Meine Tochter wurde mir letztes Jahr von den Behoerden weggenommen, weil sie ein paar Mal zu spaet zur Schule gekommen war. Heutzutage reicht es, wenn das Kind muede ist oder zu spaet kommt, dass es den Eltern weggenommen wird. Es reicht auch nur ein Anruf von irgendjemandem, der dich wegen irgendetwas denunziert. Sofort wird den Leuten dann das Kind oder gleich mehrere Kinder weggenommen. In Frankreich sind es 70.000 Kinder pro Jahr.“

„In Deutschland sind es 40.000 Kinder, die pro Jahr den Eltern weggenommen werden. Sie werden dann in Heime oder zu Pflegefamilien gesteckt.“

„Meine Tochter war bei vier Pflegefamilien innerhalb kuerzester Zeit, aber da sie so verstoert war, dass sie von ihrer Mutter wegmusste, kam sie danach in ein Heim, was noch schlimmer ist. Jetzt habe ich staendig irgendwelche Gerichtstermine und komme kaum weiter. Ich will sie schon die ganze Zeit zu mir holen , das wollte ich von Anfang an, aber irgendetwas kommt immer dazwischen. Mal hatte ich keine Wohnung in der Naehe ihrer Schule und ich wollte sie nicht drei Wochen vor Unterrichtsende herausreissen, was die Behoerden dann allerdings ihrerseits gemacht haben. Das ist ein richtiges System, an dem viele Leute verdienen: Rechtsanwaelte, Richter, Sozialarbeiter, Heime, Pflegefamilien… “

Ich erzaehlte seinem Freund die ganze Geschichte, was zuletzt in meinem Leben passiert war. Er war ein sehr guter Zuhoerer. Am naechsten Morgen fuhr er mit mir zu einer Gemeinschaft in der Naehe, die sich in einem verlassenen Bergdorf angesiedelt hatte. Es war sauber und nett, aber sie nahmen gerade keine Gaeste auf, erst wieder im September. Auf der Fahrt meinte er:

„Es gibt Leute, die besser nichts sagen. Denn wenn sie zum Beispiel ueber jemanden schimpfen, weil er dies oder jenes falsch macht, wie zum Beispiel Muell in die Umwelt werfen, dann tun sie eine halbe Stunde spaeter dasselbe.“

Am nachmittag trampte ich wieder zurueck. Als ich ankam, luden mich die Jungs ohne Zuhause ein, mit ihnen auf dem Campingplatz zu Abend zu essen, denn sie uebernachteten dort. Und Roman, bei dem wir vorbeikamen, als er gerade aus dem Fenster schaute,  lud mich ein, bei ihm zu uebernachten. Er kam auch mit zum Campingplatz, obwohl er gewisse Bedenken hatte. Wir hoerten sie schon von Weitem reden, als wir ankamen. Es waren noch drei weitere junge Maenner bei ihnen, die sich auch gerade etwas zu essen machten. Zwei waren aus Deutschland und einer aus Neuseeland. Letzterer radelte durch Frankreich.

„Hier seht Ihr die andere Seite des Lebens,“ sagte ich zu den Deutschen mit Blick auf die angetrunkenen Jungs.

Es dauerte nicht sehr lange und wir hatten auch noch nichts gegessen, da kamen die Gendarmen, weil sich wohl andere Leute auf dem Campingplatz durch den Laerm belaestigt fuehlten. Sie waren allerdings sehr nett und Roman und ich verschwanden irgendwann waehrend die Gendarmen jeden fragten, was er hier mache.

Am naechsten Tag war Philipp sauer auf mich, weil ich mich am Vorabend, als die Polizei da war, nicht von ihm verabschiedet hatte. Er wurde regelrecht verletzend, als ich den Fehler machte, darauf einzugehen.

Spaeter kam Pablo, der Spanier zu uns in die Wohnung. Er war drei bis vier Tage mit den anderen zusammen gewesen  und klagte uns nun sein Leid:

„Philipp hat letzte Nacht alleine mit seinem Hund in dem Zelt geschlafen, das du uns gegeben hast. Und wir beide schliefen in der Dusche. Und von dem Geld, das Philipp taeglich erbettelt, sah ich keinen Cent.“

Er kehrte das Innere seiner Hosentaschen nach aussen, um zu zeigen, dass er wirklich keinen Cent bei sich hatte.

„Und er trinkt nur und isst nichts. Und Waschen tut er sich auch nicht. Und ich selbst war noch nie in solch einem Zustand: ungewaschen und unrasiert. “

„Er hat auch in allen Supermaerkten Hausverbot, weil er dort geklaut hat,“ warf Roman ein. „Er hat eine Woche bei mir gewohnt, aber dann habe ich ihn rausgeschmissen, weil er das Essen nicht essen wollte, das ich fuer uns gekocht habe mit den Lebensmitteln, die er gebracht hat.“

Er reichte Pablo eine kleine Plastikschuessel.

„Hier, nimm das. Damit setzt du dich vor einen Supermarkt, aber du sprichst die Leute nicht an, wie du das bisher gemacht hast. Du bist ganz ruhig und sagst ‚guten Tag‘, wenn du sie siehst und ‚danke‘, wenn sie dir etwas gegeben haben.“

Roman gab ihm auch eine Jacke, weil es kalt war.

„Jetzt hast du keine Jacke mehr, oder?“ fragte ich ihn.

„Ich brauche keine Jacke.“

Pablo und ich schauten kurz in die Bibliothek, die allerdings sehr klein war und stellten uns dann vor dem Regen unter. Es kam ein nett aussehendes junges Paar vorbei. Sie stellten sich nur kurz unter und gingen dann weiter. Ich traf sie wenig spaeter im Touristoffice wieder und fragte sie, ob sie wuessten, wo sie schlafen.

„Nein, und wir haben auch nur ganz wenig Geld.“

„Ich moechte gerne, dass Ihr Roman kennenlernt, bei dem ich gerade uebernachte. Vielleicht koennt Ihr dort auch uebernachten, mal sehen. Habt Ihr Lust, mitzukommen?“

„Ja, wir kommen mit.“

Auf der Strasse trafen wir eine Frau mit langen blondgefaerbten Haaren, die mich ansprach :

„Bist du Michelle?“

„Ja, die bin ich.“

„Philipp hat mir von dir erzaehlt und mir beschrieben wie du aussiehst. Und jetzt bin ich hier, um ihn zu sehen. Ich wollte ihn ueberraschen.“

„Philipp ist scheinbar gestern weggegangen. Die Polizei hat ihn wohl verjagt.“

„Und du weisst nicht, wohin er gegangen ist?“

„Nein. Nur Pablo weiss bescheid.“

„Mit ihm habe ich vorhin schon gesprochen. Er weiss auch nicht viel mehr.“

„Hast du ihn schon angerufen?“

„Ja, aber er nimmt nicht ab. Entweder ist sein Akku leer oder er schlaeft. Ich wohne in den Bergen etwa eineinhalb Stunden entfernt von hier. Ich lebe in einer Schaeferei und habe im Winter die Menschen ohne Zuhause zu mir eingeladen. Da war Philipp auch dabei. Aber ich kenne seine Probleme mit dem Alkohol und dass er dann oft aggressiv wird. Andere Leute haben ihm mehrmals alle seine Sachen in den Fluss geworfen und er musste immer wieder von vorne anfangen. Er ist – wie sagt man? – schizophren.“

Wir gingen Richtung Roman und trafen einen Freund von ihm, der uns alle in seinen Squat einlud. Wir gingen in den obersten Stock. Es roch nach Gas.

„Oh, ich habe den Herd vergessen, auszumachen. “

Er zeigte dem Paerchen wo sie uebernachten koennten. Es gab ein grosses Bett. Wir gingen zusammen einkaufen und ich bat Roman, der aus seinem Fenster schaute, runterzukommen.

„Ich moechte dir ein paar Leute vorstellen.“

Er kam mit in den Squat und es dauerte nicht lange, da lud er die Beiden ein, bei ihm zu uebernachten.

„Bei mir gibt es eine Heizung, hier ist es kalt. Ausserdem koennt Ihr bei mir baden und wir koennen zusammen etwas kochen…“

Sie kamen gleich mit und wir hatten eine schoene Zeit.

Vagabund bleibt Vagabund

Sieben von den letzten zwoelf Monaten war ich in einer Gemeinschaft gewesen und genau seit dem Zeitpunkt, an dem ich den Entschluss gefasst hatte, mich der Gemeinschaft anzuschliessen und alles andere hinter mir zu lassen, ging ploetzlich alles schief. Ich war mehrmals zu meinem Bus getrampt und hatte Sachen aussortiert, die ich im Falle, dass es irgendwie nicht klappt mit der Gemeinschaft behalten wollte. Den Bus selbst gab ich an eine Portugiesin mit einem kleinen Kind ab, die mit ihrer Schwester und zwei Spaniern in dem besetzten Haus lebte, an dem ich meinen Bus abgestellt hatte. Doch in dem Moment, in dem ich alle Papiere fertig gemacht hatte, um ihn ihr zu ueberschreiben, ueberkam mich ein furchtbares Gefuehl. Richtig horrormaessig. Ich fuehlte mich wie in einem schwarzen Loch. Ich konnte die Nacht auch kaum schlafen. Ich wachte um drei Uhr auf ohne wieder einzuschlafen. Die folgenden Naechte waren nicht viel besser, obwohl ich in die Gemeinschaft zurueckgekehrt war.

Dort erwartete mich ein Haertetest. Obwohl ich absolut nicht nach Deutschland wollte, sollte ich dorthin zurueck. Da ich ja uspruenglich in der Gemeinschaft bleiben wollte, fuhr ich mit. Ich haette dort bleiben sollen, wenn es der Gemeinschaft nach gegangen waere, wollte aber nicht. Es war ein riesengrosser Konflikt. Ich schwankte hin und her. Am Ende fuhr ich mit dem Gemeinschaftsmitglied, mit dem ich nach Deutschland gefahren war wieder nach Frankreich zurueck, obwohl ich wusste, ich wuerde dort nicht mehr in die Gemeinschaft gehen duerfen. Das Ganze gipfelte darin, dass ich danach erfuhr, dass ich nun die Gemeinschaft auf der ganzen Welt fuer mindestens ein Jahr lang nicht mehr besuchen darf. Und somit befand ich mich in einer Situation aehnlich der, als ich diesen Blog begonnen habe.

Und das Leben geht weiter. An einer Kathedrale, an der ich gerade vorbeispazierte sprach mich ein junger Typ namens Richard an: „Willst du deinen Rucksack bei mir abstellen? Ich reise auch oft und da freue ich mich, wenn ich meinen Rucksack irgendwo abstellen kann. Oft gehe ich in ein Restaurant und sage, ich wuerde spaeter dort essen und darf dann meinen Rucksack dort abstellen.“

„Das ist eine gute Idee. Wenn du willst, kannst du mir ja zeigen wo es ist und wenn ich es auch nicht gleich nutze, weil ich nicht weiss, was ich jetzt mache, nutze ich es vielleicht gerne morgen, wenn ich noch da bleibe“.

Er fuehrte mich um eine Ecke zu seiner Wohnung unterm Dach.

„Die Tuer unten ist meist offen und wenn nicht, kannst du klingeln. Und hier vor der Wohnung kannst du deinen Rucksack abstellen. Da kommt keiner hin. Ich muss gleich weg zum Sport.“

Ich lief durch die oesterlichen, von Touristen ueberfluteten Strassen bis mich ein aelterer Herr ansprach: „Peace and Love! Wie schoen, dass ich so etwas sehe. Was haette sich meine Frau gefreut.“

„Wieso haette?“

„Weil sie gestorben ist. Das Leben, wissen Sie. Aber Sie, Sie sind ein richtiger Hippie! Wie schoen.“ Er fasste sich an sein Herz.

„Ich weiss nicht, ob ich ein richtiger Hippie bin, aber ich bin eine, die immer wieder alles aufgibt.“

„Ja, das ist es. Das haette ich nie getan.“

„Wir sind eben so. Wenn wir keine Lust mehr auf irgendetwas haben, verlassen wir es und fangen woanders wieder an.“

„Aber das ist gar nicht so einfach. Peace and Love! Was war das fuer eine Zeit!“

„Da war noch Hoffnung.“

„Ja, jetzt gibt es keine Hoffnung mehr. Und wo schlafen Sie?“

„Keine Ahnung. Ich war gerade dabei, nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten.“

„Ich habe leider eine ganz kleine Wohnung zwanzig Kilometer entfernt und gehe jetzt zu meinen Kindern, sonst haette ich sie eingeladen. Und wo essen Sie?“

„Ich hatte nicht vor, heute noch etwas zu essen.“

„Ach so.“

Er ging dann und ich lief zu Richard zurueck. Ich klingelte, aber niemand oeffnete, obwohl Licht brannte. Irgendwann kam ein anderer junger Mann vorbei.

„Willst du auch zu Richard?“ fragte er.

„Ja, aber er macht nicht auf.“

In dem Moment schaute jemand aus dem Fenster und wir wurden hereingelassen. Und er lud mich dann auch ein, bei ihm zu uebernachten, denn Richard hatte schon zwei Gaeste. Wir gingen in die Wohnung meines Gastgebers.

„Hier sind Linsen und Bohnen, die ich gekocht habe. Die kannst du dir hier auf dem Herd warm machen. Und du kannst dir sonst noch nehmen, was du willst. Und hier ist Internet, das Laptop kannst du benutzen.“

Wunderbar, ich hatte alles, was ich brauchte. Sie gingen dann alle aufs Stadtfest, waehrend ich tonnenweise Geschirr spuelte. Zum Teil uralt, total eklig und  verschimmelt. Aber dafuer hatte ich eine ganze Wohnung fuer mich die naechsten Tage, denn mein Gastgeber fuhr kurzerhand weg und sein Mitbewohner kam erst ein paar Tage spaeter wieder und das auch nur fuer ein paar Minuten.

Vor einem Geschaeft sah ich als Reklame ein grosses Foto von einem Typen mit einem blauen Auge und einem strahlenden Laecheln, so als waere er gerade noch davongekommen. So wie ich.

 

 

Earthships: Autarke Häuser aus Müll

Hier bin ich auf eine  schon etwas ältere Sache gestossen, die ich aber obertoll finde: Häuser aus Müll! Und dazu noch sooo schön. Ich gebe es hier weiter an alle MüllverwertungsliebhaberInnen (und übrigens ist die Horizont 13 -Seite auch ein Stöbern wert – schon alleine, weil sie auch über den Kauf-nix-Tag geschrieben haben):

Earthships: Autarke Häuser aus Müll


„Stellt euch ein Haus vor, dass sich selbst heizt, sein eigenes Wasser liefert, sein eigenes Essen produziert. Stellt euch vor, es braucht es keine teure Technologie, recycled seinen eigenen Abfall, hat seine eigene Energiequelle. Und jetzt stellt euch noch vor, es kann überall und von jedem gebaut werden, aus den Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft.“ (Mike Reynolds)
Es scheint fast zu schön, um wahr zu sein: Energie-, Wasser- und Wärmeautarke Häuser, geeignet für jede Klimazone und gebaut aus … Müll! Keine Strom- und Wasserkosten mehr, Gemüsegärten sind in das Haus integriert, das Baumaterial ist fast umsonst und bauen kann sich das Haus jede/r selbst – ohne spezielle Kenntnisse. Was klingt wie eine Vision aus einem sehr optimistischen Science-Fiktion-Roman ist an vielen Stellen auf der Erde bereits Wirklichkeit: Earthships.

Ein Earthship ist ein passives Gebäude aus recycelten und natürlichen Materialen mit dem Potenzial „Off-Grid“ also vollständig autonom, ohne Wasser-, Strom- und Kanalisationsanschluss zu funktionieren. Seine Energie bezieht das Haus aus Sonne und Wind, das Wasser wird aus Regen gewonnen, durch spezielle Verfahren hoch effektiv genutzt und in einer eigenen Natur-Kläranlage gereinigt. Man kann das ganze Haus als ein geschlossenes System, ein eigenes Biotop begreifen, dass sich an natürlichen Kreisläufen orientiert und alle Elemente optimal nutzt.


Wände aus Autoreifen

Als Erfinder und Konstrukteur Mike Reynolds sich in den 70ern aufmachte eine neue Art von Haus zu erschaffen hatte er drei Ziele vor Augen:

  1. Das Haus sollte nachhaltig sein und nur Materialien verwenden, die entweder überall auf der Welt im   Überfluss vorkommen oder durch das Haus selbst recycled werden.
  2. Es sollte komplett durch natürliche Energiequellen versorgt werden und komplett autark sein.
  3. Jeder Mensch sollte sich ein solches Haus ohne viel Geld und besondere Vorkenntnisse selbst bauen können.

Earthship Autoreifen WandAuf der Suche nach einem geeigneten Baustoff stieß er nach jahrelangem Experimentieren auf einen Glückstreffer: gebrauchte Autoreifen. Überall auf der Welt liegen Millionen von den fast nicht verrottenden Altreifen herum, mit denen nichts Vernünftiges mehr anzufangen ist. Reynolds fand jedoch heraus, dass mit Erde gefüllte Autoreifen ganz hervorragende Dämmeigenschaften besitzen, eine hohe Stabilität haben und zudem fast unentflammbar sind, so dass sie sich hervorragend für die Konstruktion der Wände eignen. Die Lücken zwischen den gestapelten Reifen werden mit alten Flaschen und Dosen gestopft – eine Wand komplett aus Müll also.

Die Wärme der Erde

Earthships werden in die Erde und einen künstlichen Hang gebaut, so dass sie an drei Seiten von Erde umschlossen sind – dadurch hat das Innere des Hauses ein konstantes Klima, denn unter der Frostschicht ändert sich die Temperatur des Erdreichs kaum. Geheizt wird über die Sonne: Eine Seite des Hauses ist komplett verglast, so dass über Jalousien und die Sonneneinstrahlung die Temperatur im Inneren geregelt werden kann. In sehr heißen Gegenden wird noch ein Kühlsystem integriert, in extrem kalten Gebieten ein Ofen.

Earthships

Ein geschlossenes Wassersystem

Earthship WasserWasser wird in Earthships gleich vierfach verwendet. Zunächst wird das gesammelte Regenwasser durch ein Filtersystem gereinigt und kann dann wie gewohnt zum Duschen, Wäschewaschen, Abwaschen, etc. verwendet werden. Das Abwasser aus diesem Gang wird durch Gemüse- und Kräuterpflanzen gereinigt und das übrigbleibende, versickernde Wasser an die Toilettenspülung weitergeleitet. Von dort wird es in einer ausgelagerten Bio-Kläranlage und weiteren Pflanzenbeeten gereinigt und fließt danach wieder dem Kreislauf zu.
Die Verwendung von Chemikalien verbietet sich natürlich in einem solchen Kreislauf – biologische Seifen und Waschnüsse bieten hier jedoch gleichwertigen Ersatz. Auch liefert das Haus selbst kein Trinkwasser – dies kann zum Beispiel aus einer Quelle oder einem eigenen Brunnen kommen. Manche Earthships haben aber für diesen Zweck auch noch einen normalen Wasseranschluss, der nur zum Kochen und Trinken bemüht wird – was nur einen Bruchteil des Wasserverbrauchs darstellt.

Energie aus Sonne und Wind

Earthship EnergiePhotovoltaik und kleine Windräder sind die Energiequellen eines Earthships. Die „geerntete“ Energie läuft in einem Batteriepack mit angeschlossenem „Power Organizing Module“ (POM) zusammen. Die Earthship-POMs sind mittlerweile Massenware und machen den Umgang mit den alternativen Energiequellen einfach: Das Modul übernimmt die Umwandlung in die für verschiedene Geräte benötigten Spannungen und kann auch Strom von Generatoren, oder falls gewünscht auch Netzstrom verarbeiten, so das alle denkbaren Energiequellen einfach und unkompliziert kombiniert werden können.

Ein langer Weg

Earthship ReynoldsBis sich die Earthships in der heutigen Form herausbilden, war es für Mike Reynolds ein langer Weg: Ganze 30 Jahre experimentierte er mit Freunden, welche Materialien in welcher Verarbeitung die besten Ergebnisse brachten und produzierte dabei ebenso spektakuläre Durchbrüche wie Reinfälle.

Vor allem aber machte ihm die Regierung zu schaffen. Die Bauauflagen in den USA und den meisten europäischen Ländern machen den Bau von autarken Häusern illegal, in manchen gilt das Bauen mit Autoreifen als „illegale Entsorgung“ und eigene Kläranlagen sind fast überall verboten. Über Jahre hinweg musste Reynolds in den USA mehrere Prozesse wegen seiner innovativen Bauweise führen, die erste Earthship-Kommune wurde durch die Staatsgewalt geschlossen und Reynolds verlor seine Lizenz als Architekt, die er erst Jahre später mit Auflagen wieder erhielt.
„Wenn Du dein eigenes Energie-, Wärme- und Wassersystem erschaffst, machst Du deine eigene Politik. Vielleicht ist es das, wovor sie Angst haben“, meint Reynolds heute über seine Schwierigkeiten mit den Behörden.
Der Durchbruch kam für die Earthships durch Reynolds Arbeit in armen Ländern und in Katastrophengebieten – auch nach dem US-Orkan Katrina, zeigte er Betroffenen mit seiner Mannschaft, wie man aus den Trümmern Earthships bauen kann. Erst nach diesen Erfolgen ließen sich die Behörden langsam auf Sondergenehmigungen für seine Häuser ein.

Die ganze Odyssee der Earthships wurde in der Dokumentation „Garbage Warrior“ verfilmt.

Earthip Biotechtures

Earthship InnenHeute bietet Reynolds mit seiner Firma „Earthip Biotecture“ weltweit Schulungen im Earthship-bauen an. Seine Vision ist, dass sich das Wissen um den Bau der „Erdschiffe“ weltweit verbreitet. Immer wieder fährt er vor allem in ärmere Regionen um dort Gruppen anzuleiten, die dieses Wissen dann ihrerseits weitertragen sollen. Auch DVDs und Bücher sind erhältlich, mit deren Hilfe auch Laien den gesamten Prozess von der Planung bis zur Energieversorgung selbst durchführen können.
In den USA wurden mittlerweile schon ganze Siedlungen in Earthship-Bauweise gebaut – allen voran die „Greater World Earthship Community“. Aber auch in Europa gibt es zahlreiche Earthships – Tendenz steigend.

Video

Ein Einfürhungsvideo zu Earthships gibt es hier.

Galerie

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken!

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Autoren Info


David Rotter / Sein-Online

Quelle und Dank an: www.sein.de

ANLEITUNG ZUR SELBSTHEILUNG MIT BEDINGUNGSLOSER LIEBE

Vor ein paar Jahren, als ich in Deutschland haushütete und Tag und Nacht freien Internetzugang hatte, stieß ich auf die Website von Puramaryam, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich las damals viel von ihr und fühlte mich dadurch weitaus besser, vergaß sie aber wieder, als ich die Rückreise nach Frankreich antrat. Vor Kurzem stieß ich wieder auf die Seite mit der Selbstheilung mit bedingungsloser Liebe, eines der schönsten Kapitel wie ich finde, und weil es mir so gut gefällt und ich auch von anderen hörte, dass sie davon sehr positiv profitiert haben, möchte ich ihre phantastisch tolle Website weiterempfehlen, die auf fast alles eine Antwort gibt.  Auch das ist ein kostenloses Angebot, was gut in meinen freeganen Blog passt und was ist schöner, als zu heilen. Bedingungslose Liebe kam die letzte Zeit öfters als Stichwort und ich glaube wirklich, dass sie das einzige ist, was wirklich alles heilen kann (wie mein Ex-Freund Raphael auch immer sagt).

Was mir bei Puramaryam auch gefällt ist, dass sie ganz modern von VaterMutterGott spricht und nicht nur vom Vater allein und dass sie sich auf Jesus bezieht, der ja die Liebe als erstes Gebot weitergegeben hat. Schade, dass sie sich zur Ruhe gesetzt hat und man nicht einmal mehr mit ihr kommunizieren kann. Aber es gibt ein paar Leute, die in ihrer Arbeit ausgebildet wurden und die weitergeben, was Puramaryam gelehrt hat. Ansonsten würde alles auf ihrer Website stehen.

Kauf-nix-Tag am 28. November 2020

Wollte nur kurz erinnern an den morgigen Kauf-nix-Tag. Da lohnt sich vielleicht ein Besuch im nächsten Umsonstladen oder einfach mal Ausspannen ohne in einen Laden reinzugehen und schauen wie es einem nach so einem Tag – ohne sich durch die Regale zu schieben und ohne Schlange stehen an der Kasse – geht. Und wenn was fehlt: improvisieren, containern oder den Nachbarn fragen…

Oder einfach merken, dass es auch „ohne“ geht.

Viel Spaß!

Zur Info: Der Kauf-Nix-Tag ist ein konsumkritischer Aktionstag am letzten Freitag (Nordamerika) bzw. Samstag (Europa) im November. Außerhalb der USA ist dieser linksalternative Protesttag trotz vereinzelter Presseberichte kaum bekannt und findet – von vereinzelten Aktionen von Gruppen wie Attac abgesehen – wenig Beachtung, was unveränderte Umsatzzahlen an diesem Tag belegen.

Auf Utopia.de findet Ihr einen schönen Artikel darüber, wenn euch die Hintergründe interessieren.

Heilmittel umsonst: ein Geschenk Gottes

Im März war ich einige Zeit bei einem international bekannten Weltumsegler zu Gast, der dreissig Jahre um die Welt geturnt ist. Ich war damals überstürzt aus dem Hippieland abgereist, weil mich einige Dinge aus dem Gleichgewicht gebracht hatten und mich am Hippieland wie immer eines Tages zu sehr störte, dass man dort zwar viele Träume haben kann und darüber nächtelang reden, aber dass sich von diesen Träumen nichts verwirklichen lässt. Das ist der grosse Nachteil am Hippieland und deshalb ergreife ich traditionell immer wieder die Flucht. So auch damals im März. Ich habe über diese Zeit noch nicht berichtet, weil ich mein Tagebuch nicht mit auf Reisen genommen habe, als ich im April ohne Campingbus losgezogen bin.

Den Weltumsegler jedenfalls, der supersymphatisch war, hatte ich auf der Post kennengelernt, als ich gerade nach einer Autoversicherung fragen wollte. Er sprach mich an und empfahl mir eine Bank für die Autoversicherung, da ich meine gekündigt hatte.

„Auf einer Bank wirst du viel besser behandelt. Hier ist es denen doch egal, was du willst oder brauchst.“

Er lud mich ein, zu ihm zum Mittagessen in ein benachbartes Dorf zu kommen. Da ich gerade gar nicht wusste wie es bei mir weitergeht, ging ich gleich zu ihm. Er war gerade am Umziehen von einem Haus ins andere und am Renovieren obendrein. Und ich wurde gleich eingeladen, länger zu bleiben. Für mich war er ein Phänomen. Er war fit wie ein Turnschuh, obwohl er manchmal nur ein paar Stunden schlief. Am Anfang tat er ganz geheimnisvoll.

„Es gibt da ein Geheimnis im Leben, das ich früher auch nicht kannte. Jeder Mensch könnte viel fitter und gesünder sein und von vielen Krankheiten heilen, wenn er dies wüsste. Ich erzähle aber nur Leuten davon, die es wirklich wissen wollen.  Sie müssen nur ein wenig lesen.“

Ich sagte nichts, immer noch unter dem Einfluss des Mottos der Ritter der Tafelrunde, am besten keine Fragen zu stellen, aber insgeheim wollte ich ihm sein Geheimnis schon gerne entlocken. Denn dass da etwas ganz besonderes  war, war für mich augenscheinlich.

Nach drei oder vier Tagen, die ich ihm bei seinen Aktivitäten geholfen hatte, rückte er plötzlich raus mit der Sprache:

„Das Geheimnis heisst Amaroli. Amaroli ist unser Urin. Mir gab jemand ein Buch darüber und seit ich es gelesen habe, trinke ich mein Pipi. Und deshalb bin ich so fit und brauche so wenig Schlaf. Es ist phantastisch. Und ich esse jetzt auch viel weniger Fleisch und trinke auch kaum noch Alkohol. Ich kann dir das Buch zum Lesen geben. Aber wenn du es machst, sprich erstmal mit niemandem darüber. Erst wenn du es mehrere Monate durchgehalten hast und Erfolge verspürst, kannst du es ausgewählten Leuten weitergeben, die sich wirklich dafür interessieren.“

„Vor vielen Jahren habe ich das mal eine zeitlang gemacht, aber es dann aufgegeben,“ erinnerte ich mich.

Ich sog den Inhalt des Amaroli-Buches geradezu auf. Da es mir gerade sowieso nicht so supergut ging, war mir dies eine willkommene Heilmethode. Ich begann gleich damit, meinen Morgenurin zu trinken, den Mittelstrahl wohlgemerkt und fühlte mich gleich viel besser. Es war gar kein Vergleich. Was für eine Wohltat! Ein wahres Geschenk Gottes. Ein Jahrtausende altes Naturheilmittel, das bei uns total in Vergessenheit geraten ist. Erst vor ein paar Jahren erlebte es eine Renaissance.

Ich habe die Urintherapie dann ein paar Monate fortgeführt, aber dann irgendwann aufgehört.  Doch eines Tages vor nicht allzu langer Zeit, stiess ich in der Bibel auf das Zitat, das in dem Buch auch zitiert wurde: „Trink Wasser aus deiner eigenen Zisterne“.  (Sprüche 5,15)“

Das nahm ich als Aufforderung, wieder mit dem Pipitrinken anzufangen und schon nach dem ersten Schluck fühlte ich mich viel besser. Es ist echt eine Wundermedizin für mich und deshalb ich kann nur empfehlen, sie auszuprobieren. Auf jeden Fall fiel mir im Umsonstladen, in dem ich gerade öfters mithelfe ein, zwei Tage später ein weiteres Buch über Urintherapie in die Hände und zwar von dem Holländer Coen van der Kroon mit dem Titel „Die goldene Fontäne“. Ich las es gleich die nächsten Tage durch und war von den ausführlichen Beschreibungen als Heilmethode begeistert, auch wenn er etwas strenger ist, als andere Urintherapeuten. Er meint zum Beispiel, man dürfe gar keine allopathischen Medikamente mehr nehmen, müsse die Behandlung durch die Schulmedizin vollko9mmen beendet haben, wenn man mit der Urintherapie beginnt; im Amaroli-Buch waren die Autoren nicht so streng und der Urintherapeut, der das Vorwort zu Kroon schrieb, sieht das auch lockerer.  Da ich die Methode jetzt wieder mit grossem Erfolg für mein Wohlfbefinden und zur Heilung anwende, möchte ich es schliesslich weitergeben, denn es passt natürlich wunderbar zum freeganen Lebensstil. Auch hier hat Gott vorgesorgt, in dem er uns ein kostenloses Heilmittel zur Verfügung stellte! Und wie vielen Menschen hat das Trinken des eigenen Urins das Leben gerettet, als sie kein Wasser zur Verfügung hatten. Interessant ist jedoch, dass die Leute meist erst zur Urintherapie kommen, wenn sie alles andere ausprobiert und gemerkt haben, dass es ihnen nicht wirklich hilft. Sozusagen als letzte Rettung!

Im Internet fand ich eine wirklich gute Seite, die ich weiterempfehlen möchte: urintherapie.com. Hier ist vieles genau beschrieben, was man wissen muss, um mit der Eigenurintherapie zu beginnen. Man kann damit fast alle Krankheiten heilen, anscheinend sogar Krebs, Diabetes und AIDS. Und es soll auch bei emotionalen und mentalen Problemen helfen. Aber das beste ist, man besorgt sich ein Buch bevor man mit der Eigentherapie anfängt, denn es sind so ein paar kleine Details zu beachten wie zum Beispiel, eine halbe Stunde nach Einnahme von Amaroli nichts zu essen, sich günstigenfalls vorher die Zähne zu putzen, am Anfang statt Morgenurin über den Tag verteilt sein Pipi zu trinken, da es besser schmeckt, am besten keinen oder nur sehr wenig Alkohol und keine Drogen zu sich zu nehmen, auch kaum Koffein und Nikotin und und und.

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Buchtipp

Habe da noch etwas Interessantes gefunden auf der Seite www.kritisches-netzwerk.de, die mir auch recht lesenswert erscheint, ein Buch, das zumindest von seinem Inhalt her vielversprechend ist, aber macht Euch selbst ein Bild:

Überdruss im Überfluss. Vom Ende der Konsumkultur

Autor:  Peter Marwitz

Verlag:  UNRAST Verlag (Bücher der Kritik), 48155 Münster – zur Verlagsseite

ISBN-13:  978-3-89771-125-9

1. Auflage Oktober 2013, broschiert, 76 Seiten, 7,80€

Unser gesamtes Wirtschaftssystem fußt darauf, dass wir als Konsument_innen kaufen und verbrauchen, koste es, was es wolle. Unterstützt von Marketing, Reklame und medialer Berieselung wird ein Kreislauf in Gang gehalten, der inzwischen längst an seine Grenzen gekommen ist und droht, unsere Lebensgrundlagen zu vernichten. Ressourcenverschwendung, Umweltzerstörung und Müllberge sind nur einige der Probleme, die mit dem Konsumismus einhergehen.

Peter Marwitz beschreibt die Mechanismen, mit denen Unternehmen den Konsum ankurbeln, darunter Reklame und schleichende Unterwanderung journalistischer Inhalte durch Public Relations, Advertorials und Product Placement. Auch die Rolle der Medien bei der Aufrechterhaltung des schönen Scheins der glitzernden Warenwelt wird näher durchleuchtet und hinterfragt.

Außerdem werden Auswege aus dem Konsumenten-Hamsterrad gezeigt – alternative Konsumformen und nachhaltiges Verhalten, von Reparaturcafés und Tauschringen bis hin zu Transition Towns und Widerstand gegen die Reklamebeschallung durch Adbusting und Culture Jamming.

Denn die Zeit ist reif für ein Umdenken.

Der Autor Peter Marwitz dürfte allen Lesern unserer Seite als Freund, gelegentlicher Beitragsschreiber und Kooperationspartner des Kritischen Netzwerks bekannt sein. Peter Marwitz, Jahrgang 1968, studierte Informatik und Betriebswirtschaft und arbeitet als selbständiger Webdesigner und Buchlayouter in Kiel. Seit 2008 betreibt er den konsum- und reklamekritischen Blog

www.konsumpf.de

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung: Konsum? Kritik?

1. Das grundlegende Problem: unser Waren‘kreislauf‘

Umweltzerstörung bei Rohstoffabbau, Produktion, Vertrieb, Entsorgung

Ressourcenverbrauch

Ausbeutung des Menschen

Politik und Lobbyismus

Abhängigkeit von den Finanzmärkten

Marktmachtzentration

Das KonsumentInnen-Hamsterrad

Anhäufung von Dingen

Verschuldung

Müll und Entsorgung

2. Konzernkritik

Aldi, Lidl & Co.: Wie teuer ‚billig‘ wirklich ist

Nestlé: Abhängigkeit als Prinzip

3. Das Zeitalter des Konsumismus

Eine kurze Geschichte der Konsumkritik

Der eindimensionale Mensch

Haben oder Sein

Die Gesellschaft des Spektakels

‚Der gute Konsument‘

Die (Un-)Kultur des Kommerzes

Geplante Obsoleszenz: Die Wegwerfgesellschaft

Reklame: Lügen und Verführen

Das Zusammenspiel von Medien und Werbung

Fernsehen: Kommerz ist Programm

Public Relations, Product Placement und Advertorials: Gekaufte Wahrheiten

Markenfetischismus: Der markierte Mensch

4. Die KonsumentInnen wachen auf

Politischer,  nachhaltiger, strategischer Konsum: LOHAS & Co.

Konsumverzicht: LOVOS & MinimalistInnen

Vegetarismus & Veganismus

Alternativen zum Kauf- und Wegwerfwahn

Reparaturcafés

Bücherschränke/Give-Boxen/Verschenknetzwerke

Second-Hand-Läden/Flohmärkte

Upcycling

Kleidertauschpartys/Klamottentauschläden

Tauschringe

Komplementäre/regionale Währungen

Car-Sharing/Mitfahrgelegenheiten

Land-Sharing

Couchsurfing

Foodsharing

Containern

Leihen

Genossenschaften/Mitgliederläden/Wirtschaftsgemeinschaften

Transition Towns

Adbusting und Culture Jamming: Widerstand gegen die Warenmaschine

5. Kritik der Kritik

6. Ausblick: Cradle-to-Cradle, Postwachstumsökonomie und mehr

7. Zwölf Faustregeln für einen sinnvolleren Konsum

Literatur

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Leseprobe: Einleitung: Konsum? Kritik?

Jeder von uns tut es. Jeden Tag. Selbst im Schlaf. Konsumieren. Sei es, dass die Brieftasche gezückt wird, um mit den neuesten Modetrends zu gehen, oder dass nebenher der Stromzähler für all unsere High-Tech-Geräte durchtickert – in der heutigen Industriegesellschaft ist man automatisch VerbraucherIn, KonsumentIn.

Viele Leute denken gar nicht sonderlich über ihr eigenes Konsumverhalten nach, sondern lassen sich von Moden und Hypes treiben, von Schnäppchenangeboten im Supermarkt oder Reklame in den Medien. Die Werbung verspricht Glück und Zufriedenheit, wenn man nur zum richtigen Produkt greift. Die KonsumentInnen haben deshalb wie selbstverständlich ihre Lieblingsmarken, denen sie vertrauen und folgen.  Sie sind aber auch preissensibel und haben ein bemerkenswert kurzes Gedächtnis, wenn es um die Schattenseiten der glitzernden Warenwelt geht. Ihnen geht es um die schnelle und einfache Befriedigung ihrer (vermeintlichen) Bedürfnisse, darum, etwas für das Ego zu tun und mithilfe zahlreicher industriell hergestellter Massenprodukte die eigene (vermeintliche) Individualität zur Schau zu stellen. Ja, richtig, so etwas nennt man paradox.

Aber es ist auch eine neue Entwicklung zu beobachten: Obwohl die Mehrzahl der KonsumentInnen nach wie vor ignorant ist gegenüber den Folgen des eigenen Kaufverhaltens, stoßen sich immer mehr Menschen daran, wie ihre Produkte hergestellt werden – aufgeschreckt durch die vielen Lebensmittelskandale (von EHEC bis Pferdefleisch), durch kritische Berichte über die Arbeitsbedingungen bei Discountern wie Aldi und Lidl oder die großangelegte Steuervermeidung von Großkonzernen wie Starbucks und IKEA. Die KonsumentInnen wollen wissen, welche oft fatalen Auswirkungen die Herstellung der Dinge hat, mit denen sie sich umgeben, und sie achten vermehrt darauf, dass ihr Konsum einen möglichst geringen sozialen und ökologischen Schaden anrichtet. Der sogenannte ‚bewusste’, ‚kritische’, ‚nachhaltige’ oder ‚politische’ Konsum ist seit einiger Zeit, auch abseits der Öko- oder linken Szene, ein zunehmend beachtetes Thema. Und wie in diesem Wirtschaftssystem üblich, hat sich inzwischen ein eigener Markt dafür herausgebildet mit entsprechend neuen Marken und Trends…

Wieso ist all das nun überhaupt ein Problem? Weshalb muss man Konsum, in dem Ausmaß, wie er heutzutage fast weltweit betrieben wird, kritisch sehen? Es geht ja nicht darum als Spaßbremse und Spielverderber aufzutreten, wenn man die grellbunte Fassade der Werbe- und Markenwelt hinterfragt. Die Vielzahl negativer Auswirkungen, die das hemmungslose Kaufen und Wegwerfen – Kern und Motor der Marktwirtschaft – mit sich bringt, ist jedoch nicht mehr zu übersehen. Zu ihnen gehören beispielsweise die immense Ressourcenverschwendung für Marketingkampagnen für im Prinzip überflüssige Waren. Zu schnell werden neue Produkte durch wieder neue Modelle ersetzt. Es geht auch um Umweltverschmutzung und das Zerstören ganzer Lebensräume für Mensch und Tier, um die wachsende Abhängigkeit der Medien und der Politik von einigen großen Konzernen, um die zunehmende Verschuldung der KonsumentInnen, um die Durchdringung des Alltags mit kommerziellen Inhalten, um den Ausverkauf öffentlicher Güter und Räume und vieles mehr.

In diesem Buch werde ich die grundlegenden Probleme der Konsumfixierung näher betrachten und dabei einen kleinen Überblick überden gegenwärtigen Zustand der Konsumgesellschaft geben. Damit es nicht zu deprimierend wird, werde ich anschließend auch einige Strategien aufzeigen, wie man dem Hamsterrad entkommen kann, wie man sich gegen das Dauerbombardement von Kaufaufforderungen zur Wehr setzen und den Unternehmen die Stirn bieten kann – kurz, welche Möglichkeiten man als KonsumentIn hat, sich dem Wahnsinn zu entziehen.

Eine generelle Anmerkung noch: Natürlich bin ich mir bewusst, dass Konsumkritik nur ein Teil einer grundsätzlichen Systemkritik sein kann und dass veränderte Konsummuster nicht das Allheilmittel für die Probleme dieser Welt sind. Aber für manche Menschen kann das kritische Hinterfragen des eigenen Kaufverhaltens ein Anfang sein, sich Gedanken über den Zustand unserer Gesellschaft zu machen. Konsumkritik bietet die Möglichkeit, ganz konkret im eigenen Alltag ein paar erste Schritte in die richtige Richtung zu gehen, statt mit dem eigenen Geld den politischen Gegner zu füttern.

Leseprobe / Auszug aus Kapitel 1. Das grundlegende Problem: unser Waren›kreislauf‹

Eine Warnung vorweg: Die folgende Schilderung des Wirtschaftssystems in den heutigen Industriestaaten ist nur ein stark vereinfachter, auf wenige wesentliche Punkte reduzierter Überblick, den ich allerdings für hilfreich und sinnvoll halte, um das Thema Konsumkritik nicht im luftleeren Raum zu behandeln. Denn die vielen Probleme, die der (individuelle) übersteigerte Konsum mit sich bringt, fußen vor allem auf dem Waren›kreislauf‹, den wir als Marktwirtschaft kennen und dessen Grundstruktur viele neuralgische Punkte aufweist. Das heißt, uns sollte immer bewusst sein, dass jeder Kauf genau dieses System stärkt und damit auch dessen negative Auswirkungen fördert.

Kennt ihr »The Story of Stuff Project«, diese von der amerikanischen Aktivistin Annie Leonard ins Leben gerufene Initiative, die mit Hilfe von kleinen animierten Filmen über Missstände des Kapitalismus aufklärt und die Menschen zum Umdenken anregt? In ihrem allerersten Clip – eben »The Story of Stuff« (Die Geschichte vom Zeugs) – stellt sie sehr anschaulich dar, wie das Ganze prinzipiell funktioniert.

Wie ist der Wirtschaftskreislauf also aufgebaut? Es beginnt mit der Ressourcengewinnung, dem Abbau der Rohstoffe, die die Grundlage der Produkte bilden. Diese werden dann in die Produktionsstätten transportiert und unter Einsatz von Energie und Arbeitskraft entstehen Waren. Anschließend werden die Waren in den (Einzel-)Handel eingespeist. An dieser Stelle kommen nun die KonsumentInnen ins Spiel –sie kaufen, u. a. animiert durch Medien und Reklame, die Produkte und tragen sie nach Hause, wo sie zu den anderen Produkten wandern, die dort bereits herumliegen. Hat ein Produkt ausgedient, weil es kaputt ist oder die VerbraucherInnen lieber etwas Neues haben möchten, wandert es auf den Müll, in die Verbrennung oder wird (zu einem geringen Teil) recycelt.

So weit, so gut – eigentlich sieht das alles recht nett und durchdacht aus. Und zweifellos hat uns dieses System einiges an Fortschritt, Annehmlichkeiten und Komfort gebracht. Aber zu welchem Preis? Denn entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Verbrauchskette tut sich eine Vielzahl von Schwierigkeiten auf:

Umweltzerstörung bei Rohstoffabbau, Produktion, Vertrieb

Wer schon einmal Bilder vom Nigerdelta gesehen hat, in dem Shell seit Jahrzehnten Erdöl fördert, weiß, was der Abbau von Rohstoffen für die Umwelt, für Tiere und Menschen vor Ort, bedeutet: Vergiftete Landschaften, verdreckte Flüsse, erodierte Böden, gerodete Wälder, all dies sind Folgen unserer Jagd nach Ressourcen sowie der industriellen Produktion und Landwirtschaft. Denn auch in den Produktionsstätten fallen Umweltgifte an, für den Gütertransport werden regelmäßig neue Straßen gebaut und Unmengen an Energie verbraucht.

Ressourcenverbrauch

Mit der Produktion und dem Konsum von Waren geht der Verbrauch von Ressourcen einher. Ist dies bei nachwachsenden Rohstoffen nicht notwendigerweise (aber trotzdem oft) ein Problem, so werden für unseren Konsumstil aber auch Unmengen an nicht nachwachsenden Rohstoffen vergeudet. Sei es nun Erdöl für Benzin oder Plastik, Kohle zur Energiegewinnung oder Coltan für Handys & Co. – mittlerweile hat das menschliche Wirtschaften solche Dimensionen angenommen, dass wir mehrere Planeten bräuchten, um die Gier nach Ressourcen zu stillen. Dummerweise haben wir, sofern die Raumfahrt nicht gewaltige Fortschritte macht, nur diesen einen Planeten Erde zur Verfügung. Wegwerfgüter, der Konsum von Dingen, die wir gar nicht wirklich brauchen und ein Übermaß an Verpackung tragen zum unnötigen Verbrauch von begrenzten Ressourcen bei.

Ausbeutung des Menschen

Für die Warenproduktion ist neben Rohstoffen noch eine andere Ressource von Bedeutung – nämlich die Menschen; besser gesagt: ihre Arbeitskraft. Spätestens seit bekannt wurde, dass Markenhersteller wie Nike ihre Kleidung in sogenannten Sweatshops in Asien fertigen lassen, ist die Ausbeutung von Menschen für unsere Konsumgüter im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Die Hersteller weichen auf Fabriken in ärmeren Ländern aus, um Lohnkosten zu sparen und Arbeitsschutzrichtlinien zu umgehen. Aber man muss gar nicht so weit schauen, um vergleichbar unwürdige Zustände zu finden – Discounterketten wie Lidl oder KiK stehen wegen ihres Umgangs mit MitarbeiterInnen ebenfalls seit einigen Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Die Bildung von Betriebsräten wurde verhindert, MitarbeiterInnen überwacht, private Daten über die Beschäftigten gesammelt und die Mindestanforderungen von Siegeln umgangen. Dass es sich nicht um eine neue Entwicklung handelt, bezeugen die Ergebnisse einer Untersuchung über die Ausbeutung politischer Gefangener in der DDR. Bereits in den 70er und 80er Jahren ließ IKEA Möbelteile von Strafgefangenen produzieren, für Quelle und Neckermann wurden Bettwäsche und Fotoapparate hergestellt. […..]

Kauf-nix-Tag / Buy nothing day

Achtung, aufgepasst! Alle Jahre wieder:

Der letzte Samstag im November ist buy nothing day! Zu deutsch Kauf-nix-Tag und in diesem Jahr fällt er auf den nächsten Samstag, den 28. November.

Ein Tag, um richtig bewusst nichts zu kaufen.

Nein, ganz im ernst. Da lebte ich viele Jahre mehr oder weniger freegan, also hauptsächlich von dem, was kostenlos ist und da entdeckte ich erst viele Jahre später, dass es diesen Nichts-Kauf-Tag gibt, der angeblich schon in bis zu 80 Ländern gefeiert wird. Auf jeden Fall gibt es dazu eine deutsche Website mit Namen buynothingday.de, auf der genaueres steht, wie Geschichte, wie es dazu kam, was dahintersteckt usw..

Auf jeden Fall ist noch Zeit, etwas dafür zu organisieren wer daran Interesse hat und sich darauf einzustellen, bewusst an diesem Tag einmal einfach nichts zu kaufen und zu schauen wie sich das anfühlt.

Oder mal in den nächsten Umsonstladen reinzuschauen (nachzuschauen unter umsonstladen.de). Der Kauf-nix-Tag ist in Europa immer am letzten Samstag des Monats November, in den USA am Freitag, der als black friday auch in Europa immer weitere Kreise zieht.

Davon ausgehend stiess ich auch auf eine andere interessante Internetseite: konsumpf.de, ein Forum für kreative Konsumkritik, in dem wiederum ein aufschlussreicher Artikel war, den ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:

(…) Materialismus macht krank

Die amerikanischen Psychologen Tim Kasser und Richard M. Ryan haben in einer Vielzahl von Untersuchungen festgestellt, dass Menschen mit sehr materialistischen Werten ein geringeres psychisches und physisches Wohlbefinden aufweisen, als Menschen, denen materialistische Werte weniger wichtig sind. In ihren Studien arbeiten sie mit dem so genannten „Aspiration Index“.  Dieser Fragebogen führt eine Vielzahl verschiedener Ziele auf und bittet die Versuchspersonen anzugeben, welche Ziele wie wichtig für sie sind. Genannt werden u.a. das Bedürfnis nach Sicherheit, nach guten Beziehungen mit anderen Personen, aber eben auch materialistische Werte wie finanzieller Erfolg oder ein hoher Status.

Im Ergebnis zeigte sich, dass diejenigen, für die beispielsweise finanzieller Erfolg ein zentraler Wert war, weniger Selbstverwirklichung und Lebensfreude und mehr depressive Symptome und Ängstlichkeit aufwiesen als Personen, für die gute Beziehungen oder ein gesellschaftlicher Beitrag wichtige Werte waren.

In einer anderen Studie zeigte sich, dass Menschen, die nach Ruhm, Geld und Ansehen streben auch mehr physische Symptome aufwiesen; also häufiger unter Kopfschmerzen, Magenprobleme etc. litten als weniger materialistische Versuchspersonen. Daneben scheint eine stark materialistische Haltung auch die Qualität unserer tagtäglichen Erfahrungen zu verringern, da materialistische Studenten in der Summe weniger positive Emotionen erlebten als Menschen, die sich nicht so viel aus Geld und Besitz machen. Je wichtiger uns materialistische Werte sind, desto geringer ist also unsere Lebensqualität. (…)

Wer hätte das gedacht? Ich glaube, wohl jeder, ausser denen, die dem Materialismus leider verfallen sind. Um wo wir beim Thema Materialismus sind, möchte ich doch über eine Sache schreiben, die mir letztes Jahr, als ich mit dem Fahrrad in Spanien unterwegs war aufgefallen ist. So stellte ich durch ein paar Bekannte, die mich an ihrem Leben teilhaben liessen fest, dass es einen tiefen Graben gibt zwischen materialistischen und nicht-materialistischen Menschen. Man könnte statt nicht-materialistisch auch sagen, eher idealistisch, ideell oder spirituell eingestellten Menschen (Ihr dürft gerne mitdiskutieren). Und dass dieser Graben tief durch die Familien geht und die Menschen –  ja vielleicht sogar die ganze Menschheit – einfach teilt.

Ja, und diese materialistisch eingestellten Menschen machen leider die ganze Welt kaputt! Unseren ganzen schönen Heimatplaneten! Das ist tragisch.

Immer noch im Hippieland

Hier ein schon älterer Eintrag, den ich irrtümlich auf einer falschen Seite veröffentlicht hatte.  Hier nachträglich ein paar Geschichten von Anfang des Jahres…

Einmal nahm mich beim Trampen ein Typ mit, den ich schon kannte und der noch einen weiteren Tramper inklusive Gepaeck aufgabelte.
«Ich komme gerade aus Mexiko zurueck. Es war phantastisch. Die Leute sind unglaublich gastfreundlich. Ich war die ganze Zeit eingeladen. Und die Maya sind noch dort. Sie sind lebendig! »
Er lud uns zu einem Kaffee ein.
«Und die Frauen und Kinder sind sehr schoen. Aber wegen der Armut heiraten sie zum Teil frueh. Es war wirklich alles phantastisch ausser den Einreiseformalitaeten. Und das einzig Negative an den Leuten ist, dass sie die amerikanischen Softdrinks in rauhen Mengen konsumieren. Aber das ist auch alles. »
Er hatte ein Taschenbuch auf den Tisch gelegt, dessen Autor und Titel ich mir nicht merken konnte; er empfahl jedoch unserem Chauffeur, es zu lesen.
« Es geht darin um Alchemie. Und um die Integration der weiblichen Anteile in uns Maennern und die der maennlichen Anteile in den Frauen. In den vielen tausend Jahren des Patriarchats haben die Maenner nicht nur die Frauen, sondern auch die weiblichen Anteile in sich selbst unterdrueckt. Das hat zu zerstoererischem Verhalten gefuehrt. In Zukunft werden mehr die Frauen das Sagen haben, einfach, weil uns Maennern eine gewisse Dimension fehlt, naemlich die, Kinder zu zeugen. Und da die Maenner das damals gesehen haben und sie nicht wussten, dass sie bei der Zeugung zur Haelfte beteiligt sind und nur die Frauen beobachteten, wie ihre Baeuche dicker wurden und Kinder zur Welt kamen, ohne die Maenner direkt zu brauchen, haben sie die Frauen unterdrueckt. Vorher gab es ein Matriarchat. Da wurden Goettinnen verehrt und die Frauen hatten das Sagen. »
Unser Chauffeur schaute, als haette er davon noch nie gehoert.
« Wir sind alle Schueler hier ,» schloss unser Reiseonkel bevor wir uns verabschiedeten.
Bei einem Rundgang traf ich Lisbeth, die mich zu den Bhajans mitgenommen hatte und lud sie zu mir in den Bus ein.
« Ich habe auch mal in einem Bus gelebt. Das war die gluecklichste Zeit meines Lebens », rief sie begeistert. Bei einer Tasse Tee erzaehlte sie eine Geschichte:
« Es waren Menschen in einem Boot unterwegs und ihnen ging das Wasser aus. Sie ueberlegten, was sie tun koennten. Sie beteten zusammen ueber dem Meerwasser, es moege zu Trinkwasser werden und es ist tatsaechlich Trinkwasser geworden. Sie haben es getrunken und ueberlebt. »

Als ich zu meiner Gastgeberin Carmen kam, erzaehlte sie mir die Neuigkeiten des Tages:
« Man hat pink Butterfly in einem der naechsten Doerfer gefunden. Sie hatte keine Hose an und wollte draussen in ihrem Schlafsack uebernachten. Jemand rief die Polizei an und sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Ich hatte mir ja echt Sorgen um sie gemacht, nachdem ich sie zu ihr bringen wollte und sie wollte nicht nach Hause gehen. Und dabei hat sie noch meinen Wohnungsschluessel. Jemand hat mir das erzaehlt, weil sie auf facebook einen suchten, der ihren Hund betreut. Und offensichtlich hat sich einer gefunden. »
In dem spirituellen Zentrum trafen die Leute sich oefter, um Hooponopono zu praktizieren.
« Die Methode kommt aus Hawai. Ein Psychiater hat sie als alte schamanische Heilmethode wiederentdeckt und in einem Krankenhaus auf seine Patienten angewandt, nicht, indem er die Leute damit behandelte, sondern indem er die Probleme der Patienten, die auch in ihm vorhanden waren, in sich selbst loeste. So hat er viele Patienten, die zum Teil als sehr schwere Faelle jahrelang in der Klinik waren und als unheilbar galten, geheilt. «
Es gab allerdings auch einen Kritiker unter den Teilnehmern, der meinte: « Hooponopono funktioniert nicht . Wenn jemand die Toilette dreckig hinterlaesst, funktioniert Hooponopono einfach nicht! »
Im spirituellen Zentrum hatten sie mir und Rose Anfang des Jahres angeboten, uns ein Zimmer zu teilen. Ich hatte eine zeitlang darueber nachgedacht und es mangels finanzieller Unterstuetzung nicht angenommen, aber schade fand ich es doch. So ging ich eines Tages zu ihnen und erlaeuterte meine Situation.
Sie wollten mich davon ueberzeugen, das Minimum zu beantragen, dann bekaeme ich die Miete komplett bezahlt, aber ich wusste nicht so recht.
« Freiheit zaehlt fuer mich mehr, als alles Geld der Welt . Und wenn man Geld bekommt, dann ist man nicht mehr frei. Ich habe lange gebraucht, um mich von allem zu befreien und weiss wie es sich anfuehlt, finanziell unterstuetzt zu werden. Es ist fuer mich weniger erstrebenswert. Ich habe im Jahre 2009 ein Jahr lang nahezu vollkommen ohne Geld gelebt und das war immer noch das gluecklichste Jahr meines Lebens.«
« Aber ist fuer dich Geld etwas Schmutziges? »
« Geld ist fuer mich der Widersacher Gottes. »
« Aber man kann mit Geld doch viel Gutes machen. Wenn wir mehr Geld haetten, wuerden wir noch mehr Dinge fuer andere tun. »
« Stimmt schon, das sehe ich auch bei dem, was Ihr tut, aber ich bin glaube ich derzeit nicht bereit, das Minimum zu beantragen und habe soweit ich informiert bin auch gar kein Recht darauf. Man muss fuenf Jahre in Frankreich gelebt haben, um ein Anrecht darauf zu haben oder man arbeitet fuenf Monate. »
« O.k., du kannst hier bleiben und im Schlafsaal schlafen, denn das Zimmer, das frei war ist jetzt besetzt. Und wenn du das Minimum nicht bekommst, dein eigenes Geld wollen wir nicht! »
Also durfte ich im Schlafsaal bleiben und ihnen das geben, was ich wollte.

Einmal traf ich Raphael, als ich in seinem Staedtchen war. Er erzaehlte mir von einem Fuenf-Tages-Trip, den er gerade hinter sich hatte.
« Wir waren in dem Ort, in dem meine Freundin frueher wohnte, um ein paar Sachen von ihr zu holen und in der Zeit hat sich ihr Ex-Freund umgebracht. »
« Weil sie nicht mehr mit ihm zusammen ist? »
« Nein, nicht deshalb. Er war wohl krank, Depressionen. Und das schon sehr lange. Wir haben bei seiner Ex-Frau gewohnt, die vollkommen aus dem Haeuschen war. Er hat sich unweit der Stadt erschossen. Und die Waffe hat er von dort geholt, wo meine Freundin vorher gewohnt hat. Und ich habe die Leiche auf ein Foto hin verifizeirt, das ich drei Stunden vorher gesehen habe. “
« Du hast die Leiche verifiziert, obwohl du ihn gar nie gesehen hast? »
« Ja, die Frauen waren beide zu schlecht beieinander, die haetten das nicht machen koennen. Und ich war zufaellig dort, um einen Abschiedsbrief abzugeben, den wir bei ihm in der Wohnung gefunden hatten. Da haben sie mich gefragt, ob ich das machen koennte, sonst haetten sie jemand von der Familie beauftragen muessen und es haette ewig lange gedauert. Da konnte ich nicht nein sagen. »

Bei einem Ausflug in die Stadt stiess ich auf eine aeltere Dame, die unzaehlige Tauben um sich herumschwirren hatte.
« Es ist verboten sie zu fuettern, aber ich tue es trotzdem. »
Sie hatte richtiges Vogelfutter in ihrer Tasche versteckt, nahm ein wenig davon in die Hand, auf der sich drei Tauben versammelten, um ihre Hand leerzufressen.
«Ich habe vor sechs Jahren meinen Mann verloren. Jetzt habe ich niemanden, der auf mich wartet. Nachher treffe ich meinen Sohn. Ich bin 82. Ich habe mir die Haare kurz geschnitten, deshalb habe ich eine Muetze auf; damit man es nicht sieht. Ich fuettere die Tauben, auch wenn manche Leute es nicht wollen. Sie haben schliesslich Hunger. Aber man kann mit Gefaengnis bestraft werden. »

Auf dem Rueckweg sah ich eine huebsche kleine weisse Ratte auf einer Wiese mir entgegen laufen. Sie kam gleich zu mir, als ich stehenblieb und schaute, ob sich mein Schuh essen laesst. Ein Mann kam in die Naehe.
« Gehoert die Ratte Ihnen? » fragte ich ihn.
« Nein, ich habe nur dort eine Katze gesehen und so befinde ich mich zwischen Katze und Ratte. Es ist aber bestimmt keine wilde Ratte. Die sind normal nicht weiss. »
« Genau. Ich glaube auch, dass es eine domestizierte Ratte ist. So weiss wie sie ist und weil sie gleich zu mir kam. »
Inzwischen entfernte sich die Ratte und er lief ihr hinterher. Und ich dumpsterte eine ganze Menge in den ganzen Supermaerkten, die ich kannte bevor ich in einem Sportstadion duschte, um mir die Haare zu waschen. Es gab dort sogar einen Foen!

Im spirituellen Zentrum kamen ab und an interessante Leute vorbei. Eine davon hatte gerade eine Weltreise hinter sich, hat zwanzig Jahre in England gelebt und fuhr ein italienisches Gefaehrt auf drei Raedern. Ein anderer war Sohn irakischer Eltern.
« Ich bin an einem Vortex geboren im Irak vor einer Hoehle. Mein Vater war politischer Fluechtling, da er links und gegen Saddam Hussein war. Er war in vielen europaeischen Laendern im Exil. Ich mache Yoga und habe uebersinnliche Faehigkeiten. Und hier spuere ich eine Praesenz, die nicht positiv ist. Ich traeumte die ganze Nacht von Reptoiden. Ich sah ihre Augen, die zu Schlitzen wurden. Die Reptoiden haben nur fuenf Chakren. Ihnen fehlt das Herz und das Stirnchakra. Sie haben auch kein hoeheres Selbst. Sie haben gegen Gott rebelliert. Deshalb hat man ihnen diese Chakren genommen. Und deshalb sind sie neidisch auf uns und wollen uns Boeses. Die Liebe haben wir ihnen voraus. »

Von Reptoiden und Annunaki hatte es noch ein anderer Hippielandbewohner, den ich auf dem Markt traf. Er wiederholte drei Mal mit ekelerregender Mine:
« Sie ernaehren sich von Menschenblut. » Und: « Die Queen ist noch nicht einmal die Schlimmste. Ihr Mann ist zehn Mal schlimmer. » Eine Englaenderin meinte daraufhin: „Pass auf, ueber was du hier auf dem Markt sprichst. Es gibt ganz viele Leute, die sich hier mit einem unterhalten und danach Bericht erstatten, sogenannte Informanten – und die nettesten sind die Schlimmsten.“

Danach traf ich Jocelyne, die ich schon ueber ein Jahr nicht mehr gesehen hatte.
« Wir schoen, dich zu sehen! » empfing sie mich. « Ich habe letzte Woche von dir getraeumt. Du bist zu mir gekommen »
Von ihr erfuhr ich, dass es einen Umsonstladen in dem Dorf gab, in dem sie jetzt wohnte.
« Ich fahre vielleicht morgen in meine Heimat. Ich habe dort ein Haus zu Mieten angeboten bekommen und ich wuerde gerne umziehen. »

Im spirituellen Zentrum wurde es mir zu bunt. Der Ex-Freund einer Bewohnerin war gekommen und sie stritten so lautstark, dass ich keine Ruhe mehr fand. Es war Zeit zu gehen. Ich schaute bei Raphael vorbei.
« Taeglich sterben zig Arten aus », meinte seine Freundin im Gespraech.
« Es ist die Liebe, die die Welt retten wird », schob Raphael hinterher.
„Ich wuerde meinen Campingbus gerne zu einem gemeinschaftlichen Bus machen“, fing ich an.
Sie war begeistert.
„Oh ja, ich wollte immer ein Wohnmobil haben.“
„Wir koennten so was wie einen Verein gruenden dafuer.“
Ich bot ihr am naechsten Tag an, meinen Bus zu benutzen, denn ich hatte gerade Lust, ohne ihn zu verreisen.
« Du kreierst die Teilung! » fuhr mich Raphael an. « Du willst uns auseinanderbringen!  Ich will, dass sie hier wohnt und nicht woanders.»
Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Unter diesen Umstaenden wollte ich den Bus nun nicht mehr verleihen. Am Ende waere ich noch die Schuldige fuer die Trennung gewesen. Da fuhr ich lieber zu Jocelyne, wo sie nun schon von meinem Besuch getraeumt hatte. Sowieso hatte ich Sachen, die ich im Umsonstladen lassen wollte. Er war zwar normal nur Sonntags geoeffnet, aber die Betreiber des « nicht-kommerziellen Hauses » zeigten mir ihn trotzdem.
Jocelyne freute sich ueber mein Kommen.
« Ich wuerde gerne verreisen, um mir das Haus anzuschauen, das mir angeboten wurde. Seit sechs Monaten finde ich niemanden, der auf die ganzen Tiere aufpasst. Aber ich weiss nicht, wann ich zurueckkomme. Ich habe kein Geld fuer die Rueckfahrt. »
So blieb ich zum Haushueten trotz der Unklarheit wie lange es sein wuerde und sie fuhr am naechsten Tag weg. Inzwischen hatte sie sechs Katzen und einen Hund. Der andere war vor Kurzem im nahen Bach ertrunken.
Bevor Jocelyne ging, stellte sie mir noch ein nettes Paerchen aus dem Dorf vor und einen Tag nach ihrer Abreise traf ich eine Freundin von ihr, die sich in ihrer Abwesenheit um die Katzen gekuemmert haette, aber nicht um den Hund.
« Jocelyne hat angerufen. Der Typ, der ihr das Haus vermieten wollte, hat sie nicht abgeholt. Er will das Haus jetzt verkaufen. Sie ist ganz umsonst gefahren. Und ihre Mutter wurde operiert und ist gar nicht nett zu Jocelyne. »
Den naechsten Sonntag verbrachte ich am Gratisladen. Ich setzte mich raus in die Sonne und surfte mit meinem ipad im Internet. Aber es kam niemand, um den Laden zu besuchen.
Stattdessen kam am naechsten Tag ein Typ bei mir vorbei, vor dem man mich gewarnt hatte. Ich hatte ihn vor langer Zeit bei Jocelyne kennengelernt. Er lebte in einem Wohnwagen auf einem Grundstueck, auf dem noch andere Menschen wohnen, die ich fluechtig kannte. Von ihnen und anderen Leuten wusste ich, dass er sogar gegenueber Frauen gewalttaetig werden konnte. Er wollte duschen und als er die Badewanne sah, nahm er ein Bad.
« Hast du nicht ein Decke? Ich moechte mich ein wenig ausruhen. Ich fahre dann spaeter zu mir. Nur eins, zwei Stunden. »
Ich gab ihm eine Decke, aber er nahm sich drei und sogar meinen Schlafsack. Als ich ihm, als er aufwachte bedeutete, ich braeuchte meinen Schlafsack, warf er ihn mir auf den Boden. Ich wartete Stunden bis er wieder aufwachte, denn ich wollte ihn nicht bei mir uebernachten lassen und andererseits auch nicht wecken. Mir fehlte absolut das Vertrauen. Noch dazu hatte ich Kopfschmerzen wohl von den Zigaretten, die er geraucht hatte. Er machte ein kleines Theater, als ich ihn um zwei Uhr nachts bat zu gehen, wo er doch keine Heizung in seinem Schrottransporter hatte, aber danach hatte ich meine Ruhe. Mit ihm in der Wohnung haette ich die ganze Nacht kein Auge zugetan…

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